Te Araroa - Teil 5

Von:Glenorchy
Nach:The Key
Distanz:160 km

Tag 50

23. Februar 2023 22 km

Die Anreise zum Beginn des Te Araroa (TA) auf der Südinsel war für mich etwas länger. Es ging früh mit dem Bus von Christchurch nach Picton, dort musste ich innerhalb von ein paar Minuten auf die Fähre umsteigen. Diese brachte mich nach Ship Cove, dem offiziellen Startpunkt des TA. Zusätzlich gab es sogar noch eine sehr interessante Besichtigung der hiesigen Tiere. Dabei waren viele verschiedene Wasservögel, Delfine und Seelöwen zu sehen. Wir fuhren also recht langsam durch den Queen Charlotte Sound und hielten auch einige Male an. Wer sich jetzt fragt was denn "Sounds" seien, wird wahrscheinlich mit dem Begriff Fjord eher glücklich werden. Es gibt zwar geologische Unterschiede, die sind aber für uns Laien unwichtig, denn eins tun sie beide, genial aussehen. Schlussendlich gelangte ich doch noch ca. 16 Uhr nach Ship Cove. Dort machte ich auch schon die erste Erfahrung mit den Weka, einer nicht-fliegenden Vogelart. Dafür sind sie umso neugieriger, was sich denn so in den Rucksäcken der Wanderer finden lässt. Wenn man dann noch etwas unberücksichtigt herumliegen lässt, kann es gut sein, dass man den Vogel damit wegrennen sieht. Das Vergnügen, diesen Gegenstand dann wiederzufinden, hatte ich zum Glück nicht. Dafür hatte ich ein echtes Vergnügen, denn ich lernte bereits auf der Bootsfahrt zwei junge Schweizer kennen, welche noch zu richtigen Weggefährten werden sollten. Für mich ging es heute nur noch kurz über den ersten Hügel zur nächsten Bucht mit Namen "Schoolhouse Bay". Dort baute ich schnell mein Zelt auf, denn es begann auch schon zu regnen.

Der kleine Abendspaziergang zum Lake Sylvan hat sich gelohnt
Das dachte sich wohl auch dieser Vogelschwarm

Tag 51

24. Februar 2023 34 km

Der Morgen begann, wie schon der gestrige Abend aufgehört hatte - mit Regen. Aber auch die ganze Nacht hatte es durchgängig geregnet. Nun kann man sich ungefähr die Beschaffenheit der Wege vorstellen, nämlich ziemlich schlammig und damit auch relativ langsam. Dennoch kam ich gut voran, konnte jedoch kaum die erwarteten schönen Ausblicke auf den Queen Charlotte Sound genießen, denn es war meist sehr neblig. Gegen Abend ließ sich dann aber doch die Landschaft in voller Schönheit blicken. Ich zeltete an einem Platz mit toller Aussicht und so ging es in die nächste regnerische Nacht.

Blick zurück in das Tal des Route Burn
Ausblick über Lake Harris
Vom Conical Hill (1515m) kann man bis zum Ozean an der Westküste sehen, aber nur wenn man sich von meiner Haarpracht nicht irritieren lässt
Einer der schönsten Wasserfälle die ich je gesehen habe - Earland Falls mit einer Fallhöhe von 174 m

Tag 52

25. Februar 2023 24 km

Auch dieser Tag fröhnte ganz dem schlechten Wetter, zumindest bis zum Mittag. Für mich ging es immer entlang eines Kammweges, welcher Blicke auf den westlichen Kenepuru Sound und den östlichen Queen Charlotte Sound zuließ. Durch den weiteren Regen war das Vorankommen weiter erschwert worden. Zusätzlich sah ich auch die Auswirkungen, wenn es noch mehr Regen in dieser Region gibt. Der Weg führt nämlich an vielen Stellen vorbei, wo erst vor Kurzem ein Erdrutsch stattgefunden hat. Glücklich, dass kein solcher heute passierte, kam ich am Zeltplatz "Davies Bay" an und stellte mein Zelt auf. Gerne würde ich sagen, dass ich nun ruhig schlafen und Kraft für den kommenden Tag schöpfen könnte. Dem war aber leider nicht so. Es zog ein Sturm auf und ich hatte das Zelt bzw. die Heringe nicht gut gesichert. Es kam also wie es kommen musste, ca. 1 Uhr zog es mehrere Heringe aus dem Boden und ich lag auf einmal im Freien. Da ich keine Lust darauf hatte, dass dies noch mehrmals passiert, baute ich alles wieder ab und suchte Schutz unter einem kleinen Dachvorsprung bei der Toilette… es könnte schöner sein, aber auch das ist die Realität eines "Outdoor-Lebens".

Der Zeltplatz am Greenstone Saddle bleibt mir wohl noch länger in Erinnerung
Die Wälder hier haben einen ganz eigenen Flair
Diese Kanadaenten sind irgendwie im falschen Land gelandet

Tag 53

26. Februar 2023 28 km

Auch zum Outdoor-Leben und in besonderer Weise zum Te Araroa gehört das Roadwalking. Das heißt der Weg verläuft manchmal kilometerlang auf bzw. neben Straßen. Vor allem auf der Nordinsel ist das auf relativ vielen Abschnitten der Fall. Aber auch hier auf der Südinsel bleibt es nicht aus. Der Hauptgrund dafür liegt bei der Entstehung des Weges, denn eigentlich ist es gar kein wirklich zusammenhängender Trail, sondern lediglich der Versuch mit bereits bestehenden Wanderwegen Neuseeland der Länge nach zu durchqueren. Damit das funktioniert braucht es aber immer wieder Verbindungsstücke und diese bilden meistens Straßen. Es geht also für mich nach den letzten 3 km auf dem Queen Charlotte Track auf den "Link Pathway". Jener verbindet Anakiwa und Havelock miteinander. Manchmal als Trampelpfad neben der Straße, manchmal auf der Straße und am Ende sogar als richtiger Wanderweg in den Hügeln vor Havelock. Entsprechend unspannend verlief der Tag und ich kam relativ zeitnah in Havelock an, genoss einen Burger und das Einkaufen frischer Lebensmittel, welche ich die nächsten Wochen wahrscheinlich nicht zu Gesicht bekomme. Eine erfreuliche Begegnung gab es dann doch noch. Ich traf gleich am Anfang ein junges deutsches Paar, welche Birnen von einem Baum pflückten. Ich bediente mich ebenfalls und wir kamen ins Gespräch. Eine gute Abwechslung zu der Zeit alleine.

Ich werde diese weiten, offenen Täler wohl vermissen
Die Boundary Hut liegt malerisch im Tal des Mararoa River
Ein schöner Tagesabschluss mit Blick auf den North Mavora Lake

Tag 54

27. Februar 2023 23 km

Auch heute ging es am Anfang wieder entlang der Straße. Diesmal allerdings am Highway, auf dem auch LKW mit rund 80 km/h entlang fuhren. Diese 3 km waren eine besondere Erfahrung, die ich allerdings nicht unbedingt wieder brauche :) Die nächsten 10 km folgte ich einer Schotterstraße. Anschließend ging es auf verschiedenen Feldern und Weiden entlang durch stereotypische neuseeländische Farmen. Vorbei an Kühen und Mais bahnte ich mir über Zäune hinweg den Weg zur Pelorus Bridge. Das ist ein großer Campingplatz mit Anbindung an den Pelorus River. Vorteil: Bademöglichkeit, Nachteil: viele Sandfliegen. Da half nur eins, sich schnell im Zelt zu verkriechen.

Der North Mavora Lake vom Südufer aus
Wenn auch mit wenig Aussicht, sind Waldwege eine willkommene Abwechslung

Tag 55

28. Februar 2023 29 km

Die Kilometer lassen erstmal nichts Ungewöhnliches vermuten, allerdings trügt dieser Schein. Denn an diesem Tag fuhr ich früh per Anhalter nach Nelson, der nächsten größeren Stadt. Nach wenigen Minuten des Wartens nahmen mich zwei nette Neuseeländer mit auf die rund 50 minütige Autofahrt. In der Stadt angekommen war die große Aufgabe für die nächsten ca. 22 Tage einzukaufen. Natürlich kann ich nicht für eine so lange Zeit Essen im Rucksack mit herumtragen. Viel mehr habe ich für 6 Tage Essen in meinen Rucksack verstaut und den Rest in Pakete gepackt. Diese brachte ich dann zur Post und sandte sie zu den nächsten Örtchen auf dem Weg. Diese Orte sind allerdings so klein, dass es keinen oder nur sehr sehr teure Einkaufsmöglichkeiten gibt. Entsprechend umging ich diesen teuren Spaß mit dieser Aktion. Hoffentlich kommen die Pakete auch an… Danach gab es noch ein gutes Mittagessen beim Türken und ein Eis, bevor es per Anhalter zurück nach Pelorus Bridge ging. Dort kam ich bereits 16 Uhr wieder an und wollte doch schon mit dem nächsten Wegabschnitt beginnen. Dieser ist allgemein bekannt als die Richmond Ranges und er zählt wohl zu den herausforderndsten aber auch schönsten Teilen des gesamten TA. Der Beginn verlief jedoch unspektakulär 14 km lang auf Schotterstraßen. Immerhin ging es dadurch schnell voran. Danach kamen die ersten 3 km eines Trampelpfades, welchem ich auch die nächsten Tage folgen sollte. Ich kam ca. halb 7 an den Emerald Pools an. Diese sind poolartige Bereiche im Pelorus River und entsprechend froh war ich, dass ich mich dort waschen konnte. Danach ging es aber auch gleich ins Zelt, denn auch hier waren die Sandfliegen zu Tausenden unterwegs.

Solche Begegnungen bereichern das sonst eintönige Roadwalking erheblich
Irgendwie sind Kanada-Tage: erst Kanadaenten jetzt Poutine - Pommes mit Bratensauce und Schmelzkäse

Tag 56

1. März 2023 0 km

Nach einer ruhigen Nacht ging der noch sehr schöne Trampelpfad entlang des Pelorus River. Zumeist ging es dennoch ordentlich auf und ab, da der Weg jeden möglichen Hügel entlang des Flusses mitnahm. So ging es den ganzen Tag wortwörtlich über Stock und Stein. Naja immerhin besser, als im Fluss zu laufen. Dazu sollte es auch erst zu einem späteren Zeitpunkt kommen. Jedoch durfte ich an diesem Tag meine erste Bekanntschaft mit den neuseeländische Brückenkonstruktionen im Backcountry („Hinterland“) machen. Wenn man Glück hat, bestehen diese aus drei parallelen Stahlseilen mit Verbindungsstreben als Lauffläche und zwei Seilen als Handlauf. Wenn nicht, dann kann es auch mal nur ein Seil für die Füße sein. So überquerte ich mehr oder weniger elegant mehrmals den Fluss und gewöhnte mich schnell an die neue Herausforderung. Nach 10 Kilometern verließ der Weg den Fluss und es ging ca. 700 Höhenmeter steil bergauf zu meiner heutigen Übernachtungsmöglichkeit, der Rocks Hut. Das ist somit auch die erste Hütte von den berühmten Backcountry Huts in Neuseeland. Diese sind ganz verschiedener Bauart und Ausstattung, aber sie bieten dem Wanderer in jedem Fall Schutz vor Wind und Wetter. In dem man einen Hüttenpass kauft, darf man fast alle öffentlichen Hütten in Neuseeland benutzen. Damit finanziert man auch teilweise deren Wartung und Instandhaltung. Ein wirklich geniales Konzept. So hatte die heutige Hütte einen großen Gemeinschaftsbereich mit Ofen, mehrere Liegeflächen mit Schaumstoffmatratzen, sowie Wassertanks und sogar Toiletten mit Spülung. Später sollte ich schnell merken, dass dies eher die Luxus-Variante ist und nicht der Standard, aber das wäre auch zu viel verlangt. Zum Abschluss des Tages ging ich auf den nächstgelegenen Berg, von welchem man bis nach Nelson und zum Ozean schauen konnte. Den Abend verbrachte ich dann gemeinsam mit den anderen Te Araroa-Wanderern am warmen Ofen. Darunter waren die Schweizer vom ersten Tag und auch eine deutsche Familie, zu der auch das Pärchen gehörte, welche ich ein paar Tage zuvor am Birnenbaum getroffen hatte.

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